{"id":3890,"date":"2014-05-02T20:39:45","date_gmt":"2014-05-02T20:39:45","guid":{"rendered":"http:\/\/nina-roth.de\/?p=3890"},"modified":"2014-05-02T20:42:33","modified_gmt":"2014-05-02T20:42:33","slug":"t-wie-tetrapak-maedchen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nina-roth.de\/?p=3890","title":{"rendered":"T wie TetraPak-M\u00e4dchen"},"content":{"rendered":"<p>Bestimmt war fr\u00fcher nicht alles besser, aber manches anders. Der besondere Charme der Besuche von Veranstaltungen mit elektronischer Tanzmusik bestand unter anderem darin, dass die Leidenschaft zur Musik eine vordergr\u00fcndige Rolle spielte. Licht aus, Musik an.<!--more--><br \/>\nJede oder jeder, der Lust hatte, tanzte da, wo er oder sie auch immer wollte. Die Tanzfl\u00e4che war Nebensache und wer nicht tanzen wollte, hat das auch getan und gut so.<br \/>\nDann passiert es mir neulich, dass ich auf der Tanzfl\u00e4che von einem TetraPak-M\u00e4dchen (ich h\u00e4tte fast &#8222;Konserven-Tussi&#8220; geschrieben) angesprochen werde, die mich bittet, doch etwas &#8222;vorsichtiger&#8220; zu tanzen, weil ihre TeraPak-Freundin daneben auf der gleichen Tanzfl\u00e4che einen Cocktail trinken m\u00f6chte. Und dieser sollte nicht in Gefahr geraten zu versch\u00fctten. Die Bitte war tats\u00e4chlich ernst gemeint und auf meinen Hinweis, dass die beiden TetraPak-M\u00e4dchen mit gleicher Frisur, gleichem Aussehen und gleicher Handtasche in der Armbeuge doch auch an den Rand der Tanzfl\u00e4che gehen k\u00f6nnten, nickten die beiden freundlich und auch gut so.<br \/>\nDie Steigerung dessen ereignete sich k\u00fcrzlich, als sich eine Gruppe von etwa acht TetraPak-M\u00e4dchen in beschriebenem Aussehen kreisf\u00f6rmig angeordnet vor dem DJ-Pult platzierten. So, als h\u00e4tten sie Platzkarten f\u00fcr ihre Stehpl\u00e4tze. Alle hatten ihr Smartphone in der Hand und waren flei\u00dfig besch\u00e4ftigt, selfies von sich mit DJ-Pult im Hintergrund zu erstellen. Das hatte logischerweise zur Folge, dass mit wechselnden Positionen in diesem Kreis die meisten mit dem R\u00fccken zum DJ standen. Das ist f\u00fcr den DJ auch nicht gerade ein Akt der Wertsch\u00e4tzung. Sie alle zusammen schafften es, lauter als die zu dem Zeitpunkt noch etwas gem\u00e4\u00dfigten Bassboxen zu schwatzen. Die Laune insgesamt mies &#8211; kein Lachen, kein nichts, nur Achtsamkeit auf die Frisur und die Handtasche und das Getr\u00e4nk in der Hand. Die Musik wurde besser und lauter und beim Tanzen passiert es dann schon mal, dass man andere ber\u00fchrt. Das wurde in diesem Fall gar nicht gerne gesehen, weil dann ja die Fotos verwackeln k\u00f6nnten. Und dies wurde auch dementsprechend kommentiert. Mein Hinweis, dass sich die TetraPak-M\u00e4dchen auf einer Tanzfl\u00e4che bef\u00e4nden und diese dem Namen nach wohl zum Tanzen gemacht sei, verschlechterte die Laune ihrerseits noch mehr.<br \/>\nEs war jetzt kein gro\u00dfes Problem, sich einen anderen Platz zu suchen, aber mir stellt sich die Frage, mit welcher Intension diese n\u00e4chste Generation von TetraPak-M\u00e4dchen abends ausgeht. Sie verbringen vermutlich Stunden im Bad, um dann so auszusehen wie die anderen TetraPak-M\u00e4dchen. Sie halten sich mit schlechter Laune an ihren Getr\u00e4nken und Smartphones fest. Und das alles, w\u00e4hrend direkt um sie herum gro\u00dfartige Musik spielt, die es einem eigentlich kaum m\u00f6glich macht, still zu stehen. Die TetraPak-M\u00e4dchen sehen nach Stunden noch genauso aus wie zu Beginn der Veranstaltung. Es muss sicher nicht alles im Exzess enden und \u00fcber die Form eines gelungen Abends lasst sich gerne diskutieren. Aber was ich au\u00dferordentlich schade finde, dass hier Leidenschaft f\u00fcr die Musik verloren geht. Und das auch auf Kosten der anderen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bestimmt war fr\u00fcher nicht alles besser, aber manches anders. Der besondere Charme der Besuche von Veranstaltungen mit elektronischer Tanzmusik bestand unter anderem darin, dass die Leidenschaft zur Musik eine vordergr\u00fcndige Rolle spielte. 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