{"id":16720,"date":"2020-01-03T18:29:14","date_gmt":"2020-01-03T18:29:14","guid":{"rendered":"http:\/\/nina-roth.de\/?p=16720"},"modified":"2020-01-03T18:29:15","modified_gmt":"2020-01-03T18:29:15","slug":"beduerfniszentrierte-kommunikation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nina-roth.de\/?p=16720","title":{"rendered":"Bed\u00fcrfniszentrierte Kommunikation"},"content":{"rendered":"\n<p>Die <strong>Annahmen<\/strong> f\u00fcr die Bed\u00fcrfniszentrierte Kommunikation sind folgende:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Alle Beteiligten haben Bed\u00fcrfnisse.<\/li><li>Die Bed\u00fcrfnisse stehen wertfrei nebeneinander. Die Bed\u00fcrfnislagen gelten demnach gleicherma\u00dfen; f\u00fcr Kinder wie auch f\u00fcr Erwachsene.&nbsp;<br \/>Im Prinzip auch f\u00fcr Tiere oder Pflanzen, deren Bed\u00fcrfnisse gegebenenfalls von Menschen \u201evertreten\u201c werden k\u00f6nnen, falls sie nicht von sich aus ersichtlich oder erf\u00fchlbar sind.<\/li><li>Alle Bed\u00fcrfnislagen werden akzeptiert, wie sie sind. Macht- und hierarchiefrei.&nbsp;<\/li><li>Es bedarf der F\u00e4higkeit aller Beteiligten, die eigene Bed\u00fcrfnisse in einen f\u00fcr andere verst\u00e4ndlichen Ausdruck zu bringen.&nbsp;<\/li><li>Wenn ich etwas von anderen verwende oder von anderen m\u00f6chte, bitte ich um Erlaubnis.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es geht in der Bed\u00fcrfniszentrierten Kommunikation darum, m\u00f6glichst alle Bed\u00fcrfnisse gleicherma\u00dfen zu ber\u00fccksichtigen und zu erf\u00fcllen. Vom Erledigen der Hausaufgaben, dem Staubwischen bis zum Traumurlaub oder Freizeitgestaltung.<br \/>Niemals geht es darum, dass eigene Bed\u00fcrfnisse vorrangig durchgesetzt werden. Das sind Machtgef\u00fcge und setzen eine Wertung der Bed\u00fcrfnisse voraus, unter der eine Kommunikation so nicht m\u00f6glich ist.<br \/>In der Nennung der eigenen Bed\u00fcrfnisse geht es au\u00dferdem nicht darum, bei dem anderen etwas auszul\u00f6sen. Das w\u00e4re\u00a0\u00a0&#8211; im Gegensatz zur Bed\u00fcrfniszentrierten Kommunikation die \u201eum zu\u201c \u2013 Kommunikation. Auch damit ist keine klare Kommunikation m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Schritte der Bed\u00fcrfniszentrierten Kommunikation:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1. Die Bed\u00fcrfnisse werden von allen Beteiligten m\u00f6glichst konkret benannt oder anders zum Ausdruck gebracht. \u201eHeute f\u00fchle ich mich&#8230;\u201c, \u201eJetzt m\u00f6chte ich&#8230;\u201c, \u201eEigentlich hatte ich geplant, dass ich&#8230;, aber jetzt sieht es so aus, dass ich &#8230; m\u00f6chte.\u201c<br \/>Alle gehen stets achtsam von der eigenen Position aus und bleiben auch in dieser; jenseits des Egoismus.\u00a0<br \/>Ganz im Gegenteil ist es vielmehr das Bewusstsein, dass immer lediglich die eigene Wahrheit, die eigenen Ansichten und das subjektive Empfinden benannt werden kann. Je mehr ich in der Kommunikation bei mir selbst bleibe, umso wertfreier ist sie. Und umso offener wird sie f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der anderen. Und umso klarer werden die Bed\u00fcrfnisse erkannt, sortiert und harmonieren miteinander.<br \/>Gerade bei einem gro\u00dfen Empathieverm\u00f6gen ist es sinnvoll, die eigene wie auch die Positionen der anderen deutlich zu benennen. Zum Wohlergehen der anderen und zum eigenen Schutz hinsichtlich der empathischen Durchl\u00e4ssigkeit. Achtsamkeit meint hier, dass ich die Bed\u00fcrfnisse der anderen kenne, sie achte, ihnen wertfrei begegne, wie sie mit der eigenen Bed\u00fcrfnislage zu vereinbaren sind. So entsteht harmonische Interaktion.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Nach dem klaren Benennen der jeweiligen Bed\u00fcrfnisse k\u00f6nnen alle Beteiligten Vorschl\u00e4ge machen, wo sie Schnittmengen sehen. Das geschieht gleichberechtigt und wertfrei. \u201eIch will sowieso einkaufen gehen. Darf ich dir den Schreibstift mitbringen, den du brauchst? Oder m\u00f6chtest du mitkommen?\u201c\u00a0<br \/>Die Vorschl\u00e4ge sind ebenso immer mit den eigenen Bed\u00fcrfnissen zu koppeln und stets authentisch. \u201eWenn du zum Schuster gehst, darf ich dich bitten, auf dem Weg das Brot, das ich brauche, mitzubringen? Das spart mir Zeit und ich kann so l\u00e4nger in meinem Lieblingsbuch lesen.\u201c\u00a0<br \/>So werden von allen Beteiligten Angebote unterbreitet. Vor allem Kinder haben hier super Ideen.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Dann schauen alle gemeinsam, wie sich die Ideen g\u00fcnstig vereinbaren lassen. Das \u201everhandeln\u201c beginnt, wobei auch hier machtfrei verhandelt wird. Es geht lediglich darum, die Bed\u00fcrfnisse authentisch in eine Balance zu bringen. Alles andere w\u00e4re \u201eum zu\u201c-Kommunikation.\u00a0<br \/>Einer f\u00e4hrt los und macht Erledigungen, die andere macht in der Zeit Hausaufgeben, der Dritte liest in Ruhe in seinem Lieblingsbuch. Man unterst\u00fctzt oder begleitet sich gegenseitig, wo es passt, in einer dynamischen Verbindlichkeit. Auch werden Verabredungen f\u00fcr den Tag getroffen, wenn es um gemeinsame Aktivit\u00e4ten geht. \u201eWenn ich dann vom Einkaufen zur\u00fcck bin, k\u00f6nnen wir gemeinsam den Film schauen, den du vorgeschlagen hast. Was meinst du dazu?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>4. Wenn sich Bed\u00fcrfnisse oder Situationen \u00e4ndern, die im Kontext mit anderen stehen, werden diese entsprechend mitgeteilt. Ebenso offen und bei sich selbst bleibend und wertfrei. \u201eJetzt bin ich vom Einkaufen zur\u00fcck und doch viel m\u00fcder als ich heute Morgen dachte. Passt es dir, dass wir den geplanten Film in einer Stunde schauen? Dann kann ich mich vorher noch ausruhen.\u201c Und dann werden neue Vereinbarungen aufgrund der ver\u00e4nderten Situation getroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>5. Wenn zwei Bed\u00fcrfnisse mal nicht (mehr) vereinbar sind, k\u00f6nnen diese verlagert oder zeitlich verschoben werden. Am Beispiel:<br \/>Bed\u00fcrfnis 1: ich m\u00f6chte jetzt mit dir einen Spaziergang machen.<br \/>Bed\u00fcrfnis 2: ich habe gleich einen Friseurtermin vereinbart.<br \/>Zur L\u00f6sung kann der gemeinsame Spaziergang auf einen sp\u00e4teren Zeitpunkt verschoben werden. Oder man akzeptiert, dass das Bed\u00fcrfnis des anderen jetzt nicht mit dem eigenen vereinbar ist und macht den Spaziergang alleine, mit einer anderen Person oder macht etwas anderes. Es stellt sich dabei die Frage, was an dem eigenen Bed\u00fcrfnis das Wesentliche ist. Der Spaziergang oder das Gemeinsame? Aufgrund dessen k\u00f6nnen meist gute Alternativen gefunden werden. Vielleicht in der N\u00e4he des Friseurs alleine spazieren gehen und nach dem Termin dann gemeinsam einen Kaffee trinken. So entsteht stets Raum f\u00fcr neue Gestaltung, ohne dass die Bed\u00fcrfnisse au\u00dfer Acht gelassen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Positive Verst\u00e4rkung in der Bed\u00fcrfniszentrierten Kommunikation:<\/strong><br \/>Ein weiteres begleitendes Element ist das Modell der Positiven Verst\u00e4rkung. In die Kommunikation \u00fcbertragen meine ich damit, den Fokus auf das Positive zu legen und sich daran zu orientieren.<br \/>Das Negative wird dabei nicht ignoriert, ganz im Gegenteil achtsam wahrgenommen. Wenn unerw\u00fcnschtes Verhalten auftritt, brauche ich darauf nicht \u201eherumreiten\u201c oder gar mit Negativem zu antworten. Negative Kommunikation schafft\u00a0\u00a0&#8211; ob gewollt oder ungewollt \u2013 machtvolle Bahnen, eigene Aggressionen auf den anderen zu \u00fcbertragen. Das ist wenig konstruktiv und die eigenen Aggressionen, wenn sie denn vorhanden sind, flie\u00dfen produktiver auf neutralen Wegen ab.<br \/>Das negative Verhalten wird also wahrgenommen und wahrnehmend \u201ezur Seite gelegt\u201c.\u00a0\u00a0Stattdessen geht der Fokus auf das Positive und gibt neue Orientierung. Das hei\u00dft beispielsweise, dass ich mein Kind lobe, wo es geht. Wenn es ein Bild gemalt hat, das Zimmer aufger\u00e4umt hat, sich gut verh\u00e4lt und vieles mehr.\u00a0<br \/>Wenn sich mein Kind mal nicht so erw\u00fcnscht verh\u00e4lt, gehe ich nicht verst\u00e4rkt darauf ein, benenne es vielleicht kurz \u2013 je nach Intensit\u00e4t. Die Benennung ist dann so, wie ich mir das richtige Verhalten vorstelle oder noch effektiver lebe ich es direkt vor. \u201eIch finde es gut, wenn du deinen Schreibtisch gleich nach dem Basteln aufr\u00e4umst und der sp\u00e4testens bis abends dann sauber ist.\u201c So etwas schlage ich meinem Kind nur vor, wenn ich entweder auch meine Sachen gleich wegr\u00e4ume oder mit meinem Kind thematisiere, dass ich mir mein eigenes Verhalten hier auch besser w\u00fcnsche.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorschl\u00e4ge in der Bed\u00fcrfniszentrierten Kommunikation sind also immer so, wie ich sie mir auch von anderen w\u00fcnschen w\u00fcrde. Und ich versuche, mich immer so zu verhalten, wie ich m\u00f6chte, dass auch mit mir umgegangen wird.\u00a0<br \/>Nur die Dinge, die ich selbst lebe, kann ich auch in der Interaktion mit anderen \u201everbreiten\u201c.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Das meinst sicher nicht, dass alle das gleiche k\u00f6nnen oder tun m\u00fcssen \u2013 oder dass die Bed\u00fcrfnisse identisch sein m\u00fcssen. Ganz im Gegenteil entsteht so wechselseitiges Wachsen, Gestalten und Entwickeln.<br \/>Die Bed\u00fcrfniszentrierte Kommunikation ist also eine positive Haltung, die sich in der Interaktion ausdr\u00fcckt. Diese Haltung bildet die Basis, sich wechselseitig im Leben in der Eigenst\u00e4ndigkeit und ebenso in der Gemeinschaft zu begleiten, zu erg\u00e4nzen und zu bereichern. In Liebe&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Annahmen f\u00fcr die Bed\u00fcrfniszentrierte Kommunikation sind folgende: Alle Beteiligten haben Bed\u00fcrfnisse. 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