{"id":16729,"date":"2020-01-05T11:52:59","date_gmt":"2020-01-05T11:52:59","guid":{"rendered":"http:\/\/nina-roth.de\/?p=16729"},"modified":"2020-01-05T11:55:02","modified_gmt":"2020-01-05T11:55:02","slug":"authentizitaet-und-interaktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nina-roth.de\/?p=16729","title":{"rendered":"Authentizit\u00e4t und Interaktion"},"content":{"rendered":"\n<p>Das eigene authentische Wesen ist die Grundlage des Seins. Wir alle kommen in dieser Authentizit\u00e4t auf die Welt und tragen sie in uns. Wie weit wir uns diese Authentizit\u00e4t erhalten (k\u00f6nnen), h\u00e4ngt von einigen Faktoren ab.&nbsp;<br \/>Unserem Selbst mit unseren Charaktereigenschaften, unserer Biografie, unseren Erfahrungen und Lebensbedingungen &#8211; nicht selten mit Traumatisierungen \u2013 und dem Miteinander.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Authentizit\u00e4t meint hier, dass ich mir meiner selbst ehrlich bewusst bin und demzufolge auch ebenso mit anderen interagiere.<br \/>Was die Kommunikation angeht, gelingt dies durch die Bed\u00fcrfniszentrierte Kommunikation. Wir Alle haben unsere eigenen Wahrnehmungen und demzufolge auch Wahrheiten. Doch in der Bed\u00fcrfniszentrierten Kommunikation bilden sich produktiv lebendige Schnittmengen, die Gemeinsamkeiten erzeugen und weiterentwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was beinhaltet die Authentizit\u00e4t? Synonyme hierzu sind: Echtheit, Glaubw\u00fcrdigkeit, Sicherheit, Verl\u00e4sslichkeit, Wahrheit und Zuverl\u00e4ssigkeit &#8211; laut Duden.<br \/>Wenn ich mir also selbst in all diesen Dingen begegne, begegne ich meinen Mitmenschen ebenso. Niemand ist vollkommen. Gerade Traumatisierungen legen uns ungewollt Augenbinden an, die wir erst bemerken, wenn wir sie ablegen. Doch neigen wir auch in allt\u00e4glichen Dingen zu Illusionen uns selbst gegen\u00fcber, meist in Bequemlichkeit. Freuen wir uns jeden Tag, ein St\u00fcck mehr Wahrheit uns selbst wieder zu entdecken und so auch in anderen.<\/p>\n\n\n\n<p><br \/><strong>Wie \u00e4u\u00dfert sich das in der Interaktion?<\/strong><br \/><br \/>1) Gelassenheit: nicht alle Impulse, die ich wahrnehme, muss ich sofort zum Ausdruck bringen oder in den Raum stellen. Ich nehme sie achtsam wahr und lasse sie in mir \u201earbeiten\u201c, bevor ich Schl\u00fcsse ziehe. Das eigene Bauchgef\u00fchl ist ein zuverl\u00e4ssiger Wegweiser. Jedoch ist kein Impuls von mir \u201efrei\u201c, denn ich bringe immer Subjektivit\u00e4t mit. Das Gehirn funktioniert nun mal so, dass es Reizwahrnehmungen einzuordnen versucht, und zwar mit bereits Bekanntem. Auch eine Form der Bequemlichkeit. Das bringt Lernen, Orientierung und Sicherheit, ist aber eben auch immer subjektiv. Gelassenheit und die Pausen verschafft mir die Zeit, Abstand von mir selbst zu diesen Impulsen zu bekommen und sie m\u00f6glichst \u00fcbergeordnet betrachten zu k\u00f6nnen. Gerade bei relevanten Entscheidungen oder Betrachtungen. Eine Nacht dr\u00fcber schlafen, mal Luft holen und \u00c4hnliches.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>2) Grenzen: in der freundlichen Anerkennung der eigenen Grenzen kann ich anderen Menschen ebenso begegnen. In der Interaktion bedarf es weder Kontrolle noch Besitzergreifung. Das sind Machtkonstrukte, die der wertfreien Interaktion nicht gerecht werden. Wenn ich akzeptiere, dass mir meine Mitmenschen das mitteilen, was relevant ist, sind Verst\u00e4ndnis- und Interessensfragen meinerseits ausreichend. Jeder Mensch hat eigene Grenzen, die das Wohlbefinden tragen. Achten wir diese Grenzen, wo wir sie kennenlernen und kennen. Das konkrete Benennen der Bed\u00fcrfnisse, wie beschrieben, ist ein Weg. Denn ich kann das Bed\u00fcrfnis meines Gegen\u00fcbers nur dann wirklich kennen, wenn er oder sie mir das mitteilt.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>3) Position: Wenn ich mir selbst in meiner Position glaube und zuverl\u00e4ssig darin interagiere, ist es f\u00fcr mich leichter, meine Bed\u00fcrfnisse klar zu \u00e4u\u00dfern. Position meint hier, wie ich grunds\u00e4tzlich hinsichtlich eines Sachverhaltes oder auch in einer Beziehung stehe \u2013 unabh\u00e4ngig von einzelnen Situationen der Interaktion. Das sch\u00fctzt mich vor (zu schnellen) Bewertungen und bringt mir Stabilit\u00e4t.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>4) Wahrheit: Wenn ich mir selbst in meiner Wahrheit begegne und meine Bed\u00fcrfnisse als Grundlage meines Handelns (aner)kenne, kann ich anderen ihre eigene Wahrheit lassen. Das ist meine Hinnahme der Dinge, die dann wiederum die Gelassenheit bef\u00f6rdern.<br \/>Eine meiner Wahrheiten ist beispielsweise, dass ich auf die gleichen Au\u00dfenreize oder Interaktion von anderen durchaus unterschiedlich reagiere, weil immer auch meine Stimmung, mein Erlebtes oder auch mein Gesundheitszustand eine Rolle spielt. Da mag ich vielleicht mittags noch gro\u00dfe Lust haben, am Abend mit meiner besten Freundin zu telefonieren. Der Tag entwickelt sich dann aber so, dass ich abends \u201enichts mehr zu sagen\u201c habe. Sicher nicht wegen der Freundin, sondern wegen mir selbst und dem, was der Tag gebracht hat. Wenn ich dies in Liebe anerkenne, findet dies ebenso seinen Platz in der Bed\u00fcrfniszentrierten Kommunikation und das Telefonat wird herzlich vertragt.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>5) Gen\u00fcgsamkeit: \u201eManchmal ist weniger mehr\u201c. Wenn ich im Anerkennen meiner Grenzen mir selbst liebevoll gen\u00fcge, verschafft das zum einen weitere Gelassenheit. Zum anderen ist es gerade die Gen\u00fcgsamkeit, die Liebe und Frieden in mir und&nbsp;&nbsp;auch in der Interaktion mit meinen Mitmenschen bringt. So bedarf es keiner Forderungen oder Erwartungen, die leicht in ein Machtgef\u00fcge abdriften. Wenn ich davon ausgehe, dass alle Menschen und damit auch ich an jedem Tag das tun, was sie eben k\u00f6nnen, bringt das eine Gen\u00fcgsamkeit, die letztlich viel mehr hervorbringt als permanentes Dr\u00e4ngen oder Fordern. In der Bed\u00fcrfniszentrierten Kommunikation ist die Interaktion immer ein Angebot an meine Mitmenschen, eine Einladung. Und die Reaktion meiner Mitmenschen darauf ist gut, wie sie ist. In Akzeptanz jeglicher Form.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>6) Geduld: Wenn ich mir selbst in Wahrheit begegne, stelle ich fest, dass mir einige Dinge noch besser gelingen k\u00f6nnen als jetzt. In der Akzeptanz dessen liegt die Basis der Weiterentwicklung. Manche Dinge werden mir wohl nie gelingen, andere wiederum umso besser. Wenn es mir so geht, begegne ich also meinen Mitmenschen ebenso. Ver\u00e4ndern m\u00f6chte ich sie nicht. Sie sind wunderbar, wie sie sind. Und sie entscheiden selbst \u00fcber ihre m\u00f6glichen Entwicklungen.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>7) Achtsamkeit: Wenn ich mich selbst achte, fordere, aber nicht \u00fcberfordere, achte ich gut auf mich und meine Bed\u00fcrfnisse. In der Akzeptanz, dass ich in meinen Bed\u00fcrfnissen auslote und Entscheidungen daraufhin treffe.&nbsp;<br \/>Steht beispielsweise ein sch\u00f6nes Ereignis an, auf das ich mich schon lange gefreut habe und gleichzeitig k\u00fcndigt sich eine Erk\u00e4ltung an und ich bin m\u00fcde. Also habe ich Lust auf die Veranstaltung, mein K\u00f6rper signalisiert mir jedoch, dass ich Ruhe brauche. Zwei Bed\u00fcrfnisse, die es auszuloten gilt. In diesem Fall akzeptiere ich wahrscheinlich, dass die Ruhe jetzt wichtiger ist (es sei denn, es ist ein sehr au\u00dfergew\u00f6hnliches Ereignis, welches sich nicht verschieben l\u00e4sst, wie z.B. eine Hochzeitsfeier) und sorge f\u00fcr meine Gesundheit. Auch wenn wir in einer Gesellschaft leben, die uns das suggeriert, muss ich nicht an allem teilgeben, ich muss nicht alles erleben. Gen\u00fcgsamkeit ist lebendig. In der Wahrheit, dass ich in meinem Leben sowieso nicht alles Erleben werde, gen\u00fcgt mir das, was da ist. Und gerade hier verbergen sich die sch\u00f6nsten Geschenke.&nbsp;<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>8) Konsequenz: Wenn ich mich f\u00fcr eine Position entschieden habe, folge ich ihr konsequent. Damit meine ich nicht, dass ich sie nicht auch stets kritisch hinterfrage. Ganz im Gegenteil nehme ich die Dinge, die daf\u00fcr relevant sind, achtsam wahr. Wenn ich jedoch eine Entscheidung getroffen habe, ist dies aus einem Grund geschehen, dem ich wertsch\u00e4tzend begegne. Zu dieser Wertsch\u00e4tzung geh\u00f6rt, dass ich diese Position anerkenne und zumindest eine Zeit lang in ihr stehen bleibe. Nur, wenn ich diese Position eine Zeit lang konsequent erlebe, kann ich mir gegen\u00fcber wahrheitsgem\u00e4\u00dfe Aussagen t\u00e4tigen. Das verschafft mir eine Klarheit, die sich dann auch in der Interaktion mit anderen \u00e4u\u00dfert. Wenn ich in mir selbst klar bin, bin ich es auch in der Interaktion mit anderen. Das bringt Orientierung. Aber eben auch die Flexibilit\u00e4t, die Weiterentwicklung braucht.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>9) Liebe: Wenn ich mich selbst liebe und \u00fcberzeugt bin, dass ich liebenswert bin, trage ich dies in die Interaktion mit anderen. Vielmehr entsteht hier eine Wechselwirkung in der Interaktion, Resonanz. Je mehr Liebe ich in meine Interaktion gebe, umso mehr Liebe erhalte ich. Daher richte ich meinen Fokus in der Interaktion auf das Positive und die Liebe. Mein liebevoller wertsch\u00e4tzender Umgang mit meinen Mitmenschen ist das, was ich mir f\u00fcr alle Menschen w\u00fcnsche. Die Bed\u00fcrfniszentrierte Kommunikation stellt hier ein Baustein dar.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>10) Geborgenheit: Beobachte ich ein Ph\u00e4nomen, dass sich die Menschen viel mehr dar\u00fcber \u00e4u\u00dfern, was sie alles nicht m\u00f6chten oder ablehnen, anstatt das zu benennen, was gut f\u00fcr sie ist. Woran liegt das? Vermutlich haben alle Menschen ein Streben nach Sicherheit und Geborgenheit. Meiner Erfahrung nach bringen die positiven Dinge und das Benennen der Dinge, die gut sind und wo es noch gutes hingehen kann, Geborgenheit im Sinne von innerer Sicherheit. Eine Sicherheit im Au\u00dfen gibt es nicht. Wenn wir benennen, was wir gut finden und dann weiter \u00e4u\u00dfern, was wir uns weiter Gutes vorstellen, bringt das Positives, Lebensbejahendes und Liebe.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>11) G\u00fcte: Wenn ich mir selbst in der Wahrheit in G\u00fcte begegne, bringe ich diese auch meinen Mitmenschen entgegen. Selbst wenn ich eine gute Menschenkenntnis habe, wei\u00df ich nie, in welcher Situation sich mein Gegen\u00fcber akut befindet. Was hat sie oder er an diesem Tag schon erlebt? Was bringt er oder sie in der aktuellen Situation mit? Von welchen Dingen kann oder m\u00f6chte er oder sie nicht sprechen? Das einzige, was ich authentisch tun kann, ist, den Menschen in der Interaktion mit Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Offenheit zu begegnen (in Anerkennung der Grenzen). G\u00fcte beinhaltet auch eine Zur\u00fcckhaltung zugunsten der Wertsch\u00e4tzung des anderen.&nbsp;<br \/><\/p>\n\n\n\n<p>12) Humor: wir alle tragen Humor in uns. Wenn ich mir selbst mit Humor begegne, \u00fcber mich und mit mir selbst lache, wirkt das auch auf die Interaktion mit anderen Menschen. Trage ich eine Freude in mir und \u00fcber mich, kann das manchmal unangebrachte Dramatik in Themen reduzieren oder Probleme relativieren sich. Gemeinsam lachen tut immer gut.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Liebe ist niemals gegen, Liebe ist immer mit&#8230;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das eigene authentische Wesen ist die Grundlage des Seins. Wir alle kommen in dieser Authentizit\u00e4t auf die Welt und tragen sie in uns. 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